this post was submitted on 25 Jan 2026
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Was fehlt, wenn Kinos schließen, merkt man oft erst im Nachhinein. Jetzt droht sogar einem der größten, dem Mathäser-Filmpalast in München der Abriss.

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Ich liebe das Capitol-Kino hier in der Rostocker Innenstadt. Das besteht seit den 1950er Jahren und hat einfach ein tolles Ambiente. Wir haben noch einen großen Saal mit Balkon und Deckenlicht, rote Sitzbänke und einen sehr urigen Schachbrett-Fliesenboden mit goldverzierten Lampen:

Leider nagen der Zahn der Zeit und die schwindenden Besucherzahlen aber auch an dem Kino. :( Während COVID wurde wohl längere Zeit die Heizung abgestellt und in einem der Säle ist die Leinwand dadurch extrem fleckig geworden, darauf Filme zu schauen macht echt nicht mehr so viel Spaß.

Und leider sind die Ticketpreise inzwischen so hoch, dass das Kino oft einem Liminal Space gleicht. Ich hatte tatsächlich schon Filme, bei denen der ganze große Saal leer war und die Anlage nur für mich hochgefahren wurde - eine "Privatvorführung" ist zwar schon irgendwie ganz cool, aber das kann ja nicht rentabel sein:

Mich macht das schon traurig, weil das Kino wohl so wie es aktuell betrieben wird, nicht mehr lange bestehen wird. Es gehört zur CineStar-Gruppe und die treffen dort oft extrem fragwürdige Entscheidungen. Einige, an die ich mich noch erinnere:

  • "Civil War" wurde ein einziges Mal auf Englisch gezeigt, spät an einem Sonntag. Der Saal war brechend voll, es gab trotzdem keine weiteren Vorführungen.
  • Marvel-Filme werden teilweise wochenlang vorgeplant, der letzte Captain America-Film lief zwei Wochen lang jeden Tag im Originalton. Es gab nach dem ersten Tag schon kein Interesse mehr und die Säle waren leer, wurde trotzdem durchgezogen.
  • Auch Filme anderer großer Studios wie Disney werden absolut immer zu den besten Zeiten gezeigt, in Wish ist fast keiner reingegangen (außer mir).
  • Teilweise wird exzessiv Werbung gespielt, mein persönlicher Rekord bisher: 25 Minuten sitzen bis es losgeht.
  • Animes werden sehr stiefmütterlich behandelt, auch hier gibt es oft nur zwei Vorführungen - eine auf Japanisch und eine mit deutscher Synchro. Bei Demon Slayer wurde die Luft schon extrem dünn, weil dort einfach jeder rein wollte, es gab auch hier keine weiteren Vorführungstermine.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass im CineStar-Management ein paar Boomer sitzen, die immer noch alles nur auf Disney und Marvel setzen und denen der Rest komplett egal ist - aber so arbeitet man halt auch stark an den Interessen der (jüngeren) Besucher vorbei.

Nürnberg macht vor, wie man Kino viel besser gestalten kann. Dort laufen die Drei Fragezeichen-Hörspiele, man kann im Sommer Kinos auf dem Dach schauen, es gibt Tanzflächen mit Veranstaltungen, eine großen Cafe-Bereich mit Public Viewing-Events und vieles mehr. Die versuchen dort, das Kino zu einem allgemeinen Erlebnisort zu machen und ich denke, das wird auch in Zukunft Bestand haben. Aber die ewiggestrigen Kinos, die einfach nur stumpf Hollywood-Blockbuster abfahren, werden irgendwann untergehen.

Und man muss leider auch sagen, dass uns Tiktok, Instagram und all die anderen Drecksplattformen das Kinoerlebnis versauen. Hear me out: Ich sehe immer mehr junge Zuschauer, die sich nicht mehr auf die Filme konzentrieren können und wenn mal eine Szene ein paar Minuten gehalten wird, sofort ihr Smartphone rausholen müssen, um irgendwelche Feeds durchzuscrollen.

Das Capitol hat zwar den Vorteil, dass vier Säle unterirdisch sind und es dort kein Netz gibt (perfekt, um Spider Man zu schauen), aber das hilft auch nur bedingt - dann scrollen einige ihre Galerie durch oder fummeln an ihrer Smartwatch rum, hauptsache man kann irgendwas machen um sich abzulenken.

Ich hatte leider auch schon Vorstellungen, bei denen ich andere Leute anbrüllen musste, weil sie nicht aufgehört haben zu labern und eine normale Konversation keine Abhilfe geschaffen hat. Wenn das Publikum asozialer wird, bleiben auch mehr Leute fern. Mich nervt das auch, auch wenn ich immer versuche, mir mein Hobby von solchen Leuten nicht vermiesen zu lassen - aber das klappt leider nicht immer.

Mittlerweile schaue ich manche Filme lieber zu Hause auf dem Beamer. Wie Ultralativ sagen würde: Und das ist furchtbar schade.