this post was submitted on 24 Jan 2026
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Am Dienstag habe ich „Ein einfacher Unfall“ von Jafar Panahi geschaut. Sehr gute Meditation über Selbstjustiz, Rache, Vergebung und Widerstand gegen brutale Regime. Tolle Story, vor allem die ersten 20 Minuten fand ich perfekt inszeniert. Leider zieht sich der Film in der Mitte etwas, man hätte die Story gut auf 90min trimmen können. Die Charaktere sind trotzdem alle sympathisch und die Dialoge kommen selbst in der Deutschen Synchro noch glaubhaft und organisch rüber.
Gelesen habe ich „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll. Das hat mir in Teilen sehr gut gefallen, besonders wenn Böll seine beißende, zynische und zutreffende Kritik am Kapitalismus, der mangelnden Denazifizierung und der katholischen Heuchelmoral der deutschen Nachkriegsgesellschaft übt. Allerdings ist Hans Schnier, der Protagonist, ein unsympathischer Moserer, dessen Frauenbild und seine Überlegungen zu seiner Ex Marie aus heutiger Perspektive mal so gar nicht gehen. Böll bezeichnet das Buch als Liebesgeschichte, für mich klingt es eher nach einem pathetischen, unausstehlichen Nörgler, den seine Freundin nur als Objekt der Begierde interessiert, der aber nie versucht hat zu verstehen, was diese eigentlich will.
Außerdem habe ich eine weitere „Liebesgeschichte“ gelesen (jedenfalls gibt es Leute die es als solche bezeichnen). Hemingways „A Farewell to Arms“ hat sich überraschenderweise aber doch eher wie eine solche angefühlt, als der Clown. Ich würde den Roman zwar eher als Antikriegsnovelle mit romantischer Nebenhandlung bezeichnen, aber am Ende war mir die Romanze hier deutlich sympathischer. Auch Fred tut sich schwer, sich wirklich für das Innenleben seiner Cat zu interessieren, aber Cat fühlt sich durch Hemingways Erzähltechnik echter an, als Marie. Farewells Stärken liegen dennoch eher in der Darstellung des Krieges, und vor allen in den Überlegungen der Soldaten zu seinem Ende. Die Stimmung erinnert weniger an „Im Westen nichts Neues“ sondern an „Jarhead“. Es wird wenig gekämpft, den Feind sieht man nicht wirklich und wenn getötet wird, dann sind es die eigenen Männer die Desertieren. Ich bin ja insgesamt kein großer Hemingway Fan, aber Farewell hat mir gut gefallen.