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Sie sind uns gegenüber ja auch nicht neutral. Russland unterstützt offen Parteien, die gegen unser freiheitlich-demokratisches System agieren, China sieht sich ohnehin als unser Systemrivale.
Die Interessen dieser Länder sind andere als unsere und sie arbeiten daran, ihre Position zu stärken und unsere zu schwächen.
Daran ist an sich nichts verwerflich, denn so funktioniert Geopolitik. Aber dann brauche ich auch nicht so tun, als wären diese Länder uns gegenüber neutral.
Das tut Amerika auch, die unterstützen doch auch offen die AfD. Und im letzten Positionspapier haben sie doch klar gemacht, dass eine in die EU eingebettete, souveräne, offene Gesellschaft nicht in ihrem Interesse ist.
Hätte es nicht besser sagen können. Die USA sind uns gegenüber auch nicht mehr neutral. Wer Trump und seiner Bande mal zuhört, der merkt schnell, dass die EU regeläßig offen als Gegner beschimpft wird. Klar, da wird noch nicht mit Militärschlägen gedroht, wie es Lavrov und Medvedjev und wie sie alle heißen tun. Das kommt dann als Nächstes, wenn Trump mal wieder Grönland auf der Karte findet.
Das heißt jetzt nicht, dass Russland da in irgendeiner Weise besser ist. Tote Zivilisten sind tote Zivilisten, Punkt. Imperialismus ist nicht besser, weil das "andere Team" ihn macht.
Das ist für mich recht eindeutig die Kernaussage hier von dem Post. Wenn du der Meinung bist, dass die eine Seite das Völkerrecht brechen darf, die andere aber nicht, dann ist es nicht der OP, der hier von Propaganda beeinflusst ist. Krieg ist scheiße, egal, wer ihn führt.
Breche ich hier irgendwo für Amerika eine Lanze? Oder behaupte, dass die - im Gegensatz zu Russland oder China - unsere Interessen im Sinn habe? Spätestens (!) seit Trump muss eigentlich jedem Europäer klar sein, dass nur strategische Unabhängigkeit, also vollkommene Ebenbürtigkeit mit den anderen Großmächten, unsere Interessen wahren und durchsetzen kann und verhindert, dass wir von den immer ungezügelter auftretenden anderen Großmächten zerrieben werden. Eine unangenehme Wahrheit, der man sich aber trotzdem stellen muss.
Ich wüsste nicht, wo diese Aussage in meinem Text zu lesen ist. OP schrieb, dass es doch absurd sei, dass nur Russland und China klar benennen würden, " dass es nicht ok ist andere Laender wegzubomben". Absurd finde ich dabei allenfalls, dass sich gerade Russland zu dieser Aussage hingerissen fühlt, da sie ja seit mehr als vier Jahren offen ihren Nachbarn wegbomben möchten, sich durch Dörfer massakrieren, Kinder verschleppen und umerziehen und ganz gezielt der Zivilbevölkerung leid zufügen möchten. Und China zu dem Ganzen seit über vier Jahren keine klaren Worte findet, sondern stattdessen die Partnerschaft zu diesem Regime sogar noch weiter ausbaut. Vor diesem Hintergrund muss man doch feststellen, dass das Völkerrecht zur reinen Persiflage verkommen ist: die großen Vetomächte streifen es sich immer mal kurz über, wenn es ihnen argumentativ in den Kram passt, ansonsten aber stecken sie es wieder in den Schrank und handeln vollkommen losgelöst und konsequenzenlos an ihm vorbei. Der Zyniker würde sagen: dumm ist der, der sich heute noch daran hält.
Ich möchte nirgendwo leugnen, dass Russland gezielt Zivilisten angreift, Massaker verübt, Kinder verschleppt usw.
Nichtsdestotrotz hört man deutsche Politiker regelmäßig vom völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine reden, aber bis jetzt hab ich noch nichts dergleichen über den wohl auch völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran gehört. Und das ist m.M.n. das, was der OP hier kritisiert: es ist doch absurd, dass wir, als angeblich so völkerrechts-liebende Nation, das Völkerrecht nur dann aus der Tasche ziehen, wenn es uns passt. Das ist Heuchelei.
Ja. Eben. Das ist aber scheiße, das war in Vietnam scheiße, das war in Tschetschenien scheiße, und das ist im Irak scheiße gewesen, und das ist in Gaza und Yemen ganz besonders beschissen. Pardon my French. Wer das Völkerrecht bricht, und dann noch Kriegsverbrechen in Kauf nimmt oder gar absichtlich begeht, der sollte auch völkerrechtswidrig und Kriegsverbrecher genannt werden.
Der eine Angriff läuft seit 4+ Jahren, der andere seit 4 Tagen. Und auch wenn das Völkerrecht da kaum differenziert, wird ein Politiker doch anders darauf schauen, ob ein Staat wie die Ukraine "vor unserer Haustür" angegriffen wird, weil er sich in unsere Sphäre orientieren möchte, oder ob ein Staat wie der Iran angegriffen wird, ein international massiv isoliertes Unrechtsregime, das vor wenigen Wochen erst zehntausende seiner Bürger abgeschlachtet hat, weil sie gegen ihn auf die Straße gegangen sind, dessen Staatsräson die Zerstörung eines Staates vorsieht, für dessen Existenz die Bundesrepublik einsteht, und der Teil eines jahrzehntelangen Dauerkonflikts ist. Nur in einem dieser Staaten wurden die Angriffe noch am selben Abend mit Feuerwerk und Hupkonzert durch die Bewohner dieses Landes gefeiert. Das kann man Heuchelei nennen oder Realismus, denn de facto ist das Völkerrecht komplett irrelevant für die Aggressoren, ganz gleich, ob sie unsere Freunde überfallen oder unsere Feinde. Und Europa auch, denn keine dieser (realen oder empfundenen) Großmächte schert sich darum, was wir sagen. Und wir haben nicht die Macht, diese Prinzipien und Wünsche durchzusetzen. Stattdessen leben wir längst in einer post-regelbasierten Welt.
Ja gut, das mag alles sein. Und, immer noch, versteh mich nicht falsch, ich weine Chamenei keine Tränen nach.
Aber warum sagt man dann bei dem einen jedes mal "völkerrechtswidrig" dazu, als ob das was bedeuten würde? Warum sagen Politiker nicht einfach, wir mögen Russlands Invasion nicht, weil sie uns zu nahe ist und unsere Interessen bedroht, aber der Iran ist uns zu weit weg, zu unsympathisch und zu wenig wirtschaftlich relevant? Und da fällt es mir schwer, das ohne Worte wie "Heuchelei" und "Polemik" zu beantworten.
Dinge nicht ändern zu können und Dinge beim Namen zu nennen sind zwei Paar Schuhe. Putin juckt es auch nicht, dass er das Völkerrecht gebrochen hat und die Genfer Konvention als Checkliste betrachtet.