this post was submitted on 04 Feb 2026
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Der geneigte D&D Spieler darf sich die Frage stellen: Was ist recht und was gerecht? Wurden hier im Zug unsere Werte und Normen verteidigt, oder nur ideologiegetrieben auf Paragrafen rumgeritten?
Warum sind die Jugendlichen dahin, war der Rest vom Zug vielleicht voll? Haben die jemandem den Platz weggenommen der ihn nötiger bräuchte und hätten sie sich weggesetzt wenn das Zugpersonal - deren Aufgabe das ist - sie dazu aufgefordert hätte?
Ich glaube Werte und Normen einfordern ist wichtig, nur haben das in dem Fall wahrscheinlich eher die Mitfahrenden getan, und nicht Palmer.
Ja. Gerade der Umstand, dass andere Passagiere in der 1. Klasse die Position der Jugendlichen, und nicht die von Hilfssherriff Palmer ergriffen haben, deutet schon darauf hin, dass es da nicht um Werte und Normen ging*, sondern eher darum, dass der gute Boris sich mal wieder wichtig machen wollte. Aber warum sollte das überraschen? Der ist ja bundesweit als großmäuliger Selbstdarsteller bekannt.
* Es ging schon um Werte und Normen, aber eher in dem Sinn, dass der Hilfssherriff sie mehr verletzt hat, als die Jugendlichen.
Ja, da hast du recht.
Wie gesagt, mir geht es dabei auch weniger um das Sheriff-Gehabe des B. Palmer, sondern um den grundsätzlichen Gedanken dahinter. Und da sehe ich schon die Tendenz, dass das Klima des Miteinanders im öffentlichen Raum verbesserungsfähig ist und zu viel Egoismus und Enthemmung herrscht. In einem anderen Thread hier geht es darum, dass ein Zugbegleiter nach einem Angriff bei einer Ticketkontrolle mit dem Tod ringt. Die Verbesserung fängt mit jedem von uns an.
Das Miteinander findet doch größtenteils nicht mehr statt, es wurde durch ein (bestenfalls) Aneinander Vorbei und ein Gegeneinander ersetzt. Und das systematisch und absichtlich. Ich finde es fast schon poetisch, dass hier einer der politischen Akteure, der selbst auch mit beiden Händen gesellschaftliche Spaltung gesäht hat, jetzt auch mal die Ernte dafür einfährt. ich bedaure es fast, dass er nur zurechtgewiesen wurde. Egoismus wurde schon vor Jahrzehnten zur Tugend erhoben, denn Egoisten lassen sich besser ausbeuten, weil sie sich eben nicht gegen einen geltungssüchtigen Hilfssherriff (oder einen anderen Ausbeuter) solidarisieren, wie die Fahrgäste in der 1. Klasse.
Das mit dem Fahrkartenkontrolleur ist eine schlimme Sache und sehr wahrscheinlich hat das den Falschen getroffen. (Wobei es auch in dem Bereich Leute gibt, die sich an dem bisschen Macht, das sie haben, aufgeilen, und mit Spaß Leute schikanieren. Ich kenne leider eine solche Person, und bei dem willst Du nicht im Zug sitzen, wenn Du die falsche Hautfarbe hast)
Aber einfach nur glauben, man könnte die Gesellschaft verbessern, indem man sich blind und ohne Verstand an alle Regeln hält, ist nicht zielführend. Zumal es Regeln gibt, deren alleiniger Sinn die Aufrechterhaltung oder Förderung einer gesellschaftlichen Spaltung ist.
Da stimme ich zu.
Da nicht. Ich glaube nicht, dass Egoismus uns seit Jahrzehnten "aufgezwungen" wurde (von wem?) und auch nicht, dass man uns dann "besser ausbeuten" kann. Die Entscheidung, sich asozial zu benehmen, fällt jeder ganz für sich - und trägt folglich die Verantwortung. Ob man es nun tut, weil man keine Sanktionierung befürchtet, oder weil der Andere es ja auch macht, ist letztlich vollkommen egal.
Inwiefern lässt sich jemand, der wie die Axt durch den Wald geht und auf seine Mitmenschen keine Rücksicht mehr nimmt, besser ausbeuten, als jemand, der noch an grundlegende Werte wie Solidarität und Gemeinwohl glaubt?
Das sage ich nicht. Ich sage, dass es der Gesellschaft massiv schaden wird, wenn man sich selber einfach nicht mehr an Regeln gebunden sieht. Denn, wie gesagt, denke das mal in seiner Konsequenz zu Ende: wer wird sich in so einer Welt durchsetzen, wer wird da am Ende die Hosen anhaben?
Fast sämtliche Medien predigen seit Jahrzehnten ein Ideal, das grenzenlosen Egoismus zur ultimativen Freiheit verklärt, und die Politik wird nicht müde, wirklich bei jedem Scheiß ständig auch bei Dingen, die ureigene staatliche Aufgaben sind, "Eigenverantwortung" zu predigen, während sie gleichzeitig dafür sorgt, dass die Leute, die sie zur "Eigenverantwortung" auffordert, dazu gar nicht in der Lage sind.
Der Egoist wird nie auf die Idee zu kommen, sich mit Anderen zusammenzutun, um sich gegen Ausbeutung zu wehren, er wird lieber nach unten treten, insbesondere, wenn ihm eingeredet wird, dass es ihm nur schlecht geht, weil ihm jemand, der es noch schlechter hat, Alles wegnimmt. Die neoliberale Rhetorik, die seit Jahrzehnten sozial schwache Bevölkerungsschichten gegeneinander ausspielt, funktioniert ja sehr gut.
Wir leben schon in dieser Gesellschaft. Denn nur die Leute, die sich Regelbrüche mangels Geld oder politischer Vernetzung nicht leisten können, sind noch an Regeln gebunden.
Mal ganz ehrlich: wenn ich vergleiche, welchen Sozialstaat ich im Vergleich zur Generation meiner Eltern genießen kann, dann habe ich da Schwierigkeiten zuzustimmen. Sowohl Pflegeversicherung als auch Kinderbetreuung waren bspw in den 80ern Privatsache. Wenn's da akut wurde, hattest du halt Pech gehabt.
Die Sozialleistungs- und Staatsquoten sind ebenfalls nicht wirklich zurückgegangen, der Staat bewegt hier sogar mehr Geld. Nur, dank demographischem Wandel, fließt heute viel mehr Geld in Renten und Gesundheitssystem. Trotz steigender Abgaben bleibt da immer weniger übrig. Den Knoten kriegst du auch nicht mehr wirklich entheddert, denn die Politik sträubt sich, dieses Problem anzugehen. Da steckt jedoch kein elaborierter Plan im Namen des Neoliberalismus hinter, sondern schlicht deren blanke Angst vor der mächtigen Wählerschicht "Rentner" und stattdessen ein gemütlich-einschläferndes "Weiter-so!"
Wer meint, sich nicht mehr an den Regelkatalog unserer Gesellschaft halten zu müssen, handelt rein egoistisch - eine Sichtweise, die normalerweise links der Mitte verpönt ist. Wie es der Gesellschaft darüber hinaus nutzen soll, wenn sich nun jeder das Recht rausnimmt, auch dem Rest der Gesellschaft diesen "Vertrag" aufzukündigen, hat mir auch noch keiner erklären können. Ein Jens Spahn oder zwei Handvoll steuerhinterziehende Milliardäre sind für mich nicht Anlass genug, selber damit anzufangen, auf die zu scheißen, die noch mitspielen wollen beim gesellschaftlichen Miteinander.
Die alte Gesellschaftsordnung muss erst untergehen bevor eine neue, hoffentlich bessere entstehen kann. Je mehr Menschen (gerade aus der "Unterschicht" und der "Arbeiterklasse") einsehen, dass auch ein Merz oder ein Palmer zum defäkieren die Hose runterziehen um so eher wird die gefühlte Autorität dieser Menschen schwinden.
Ich bewundere deinen Optimismus. In einem Land, in dem sich die AfD ein hauchdünnes Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Union um Platz 1 liefert und gleichzeitig einen Vorsprung zur nächsten demokratischen Partei hat, der der Gesamtzahl der Stimmen für die Linke entspricht, kann ich bei 'Untergang der Gesellschaftsordnung' kaum hoffen, dass etwas besseres kommen wird, sondern eher noch etwas viel schlechteres.