this post was submitted on 04 Feb 2026
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Man kann zu ihm und dem latenten Sheriff-Gehabe sicher stehen, wie man will - damit hat er allerdings recht.
Ne, hat er nicht. Man kann nicht einfach blind Normen einfordern, weil es Normen sind. Historisch gab (und gibt) es unzählige schädliche, unfaire und ungerechtfertigte Gesellschaftsnormen, die wir zurecht abgeschafft haben (und noch abschaffen müssen).
Zumal er Normen einfordert, während er sich Autorität anmaßt, die er nicht hat. Wenn er als Fahrgast jemanden wegen eines fehlenden Fahrscheins konfrontiert, dann macht ihn das nicht zu einem Zugbegleiter im Ehrenamt, sondern zu einem Unruhestifter.
Ne, hat er nicht. Zumindest nicht pauschal. Er hat halt Schiss davor, dass sich der Pöbel Gedanken über klassistische Bullshit-Normen Gedanken macht.
In einer Gesellschaft geht es nur, wenn es die universelle Bereitschaft gibt, sich an gewisse Regeln zu halten - und nicht nur die, auf die man gerade Bock hat.
Macht du die Dose auf, dass Leute doch ruhig auf Regeln scheißen sollen, die sie ablehnen, darfst du dich nicht wundern, wenn in Folge so gut wie jede Regel mit irgendeiner Begründung abgelehnt wird und jeder nur mehr egoistisch das macht, was er will.
Und ich gehe mal stark davon aus, dass du das letztendlich genau so scheiße finden würdest wie ich.
Das scheitert alleine schon daran das Recht ausgelegt und nicht angewendet wird.
Plus bin ich froh das früher alle brav heterosexuell waren ohne das zu hinterfragen bis Homosexualität ohne Grund aus heiterem Himmel legalisiert wurde, worauf sich einigen Menschen gedacht haben "na dann werd ich jetzt schwul wo es doch erlaubt ist"
Plus bin ich froh das vor der Legalisierung niemand gekifft hat und die Politik ohne irgendeinen Grund beschlossen hat "niemand kifft, also Zeit zu legalisieren"
Normen sind gelebte Übereinkünfte und das Recht die Kodifizierung unserer Gesellschaft. Es ist ein interessantes Zwischenspiel aber zu sagen "Gesetz ist Gesetz und Punkt" könnte realitätsferner nicht sein.
Die Regeln, die der Leim einer Gesellschaft sind, sind aber für gewöhnlich die, wo es eigentlich nix auszulegen gibt. Ich darf dir nicht einfach dein Fahrrad wegnehmen, du darfst mir nicht einfach so den Schädel einschlagen. Wir dürfen nicht mit Gewehr ins Einkaufscenter, müssen an der Kasse bezahlen und bei rot anhalten. Das ist so und zumindest ich find's in Ordnung.
Die meisten dieser Dinge regeln das Verhältnis zwischen Belangen des Einzelnen und Kosten der Gesellschaft. Die Kosten für die Gesellschaft ändern sich nicht mit dem Geschlecht der Person, die ich liebe. Ebenso die Frage, ob ich kiffe oder nicht (sofern mein Konsum keine Folgeschäden hat). Das mag ein Hinterwäldler anders sehen, aber wir beide wissen es wohl besser.
Da stimme ich dir voll zu. Mir geht's auch gar nicht um blinden Kadavergehorsam, 'weil Regeln immer recht haben' oder so. Sondern darum, dass ich schon meine wahrzunehmen, dass es in der Öffentlichkeit eine zunehmende Infragestellung auch der Regeln gibt, die eigentlich sinnvoll sind.
Klar, die Regeln sind immer auch nur die, die wir uns selber geben - und wenn wir uns als Mehrheitsgesellschaft dazu entscheiden, dass sich einfach jeder, dem grad danach ist, auf den Behindertenparkplatz stellen soll, muss man das als Individuum akzeptieren. Aber kacke fände ich diese Entwicklung trotzdem.
So formuliert finde ich das fair👍
Diese Bereitschaft gibt es aber nicht, und die Dose ist bereits offen. Sonst gäbe es keine Milliardäre und die Superreichen würden ihre verdammten Steuern zahlen. Wir sind nicht die, die den Social Contract gebrochen haben, wir reagieren nur.
Doch, diese Bereitschaft gibt es im Großen und Ganzen natürlich schon noch. Die weit meisten Leute zahlen ihre Steuern, parken nicht auf dem Behindertenparkplatz, halten vor dem Zebrastreifen, rauchen nicht in der U-Bahn und probieren auch sonst, ihren Mitmenschen nicht über Gebühr auf den Sack zu gehen.
Wenn du jetzt die Verfehlungen mancher, sich an unsere Regeln zu halten, als Anlass nehmen magst, dir daraus eine Rechtfertigung abzuleiten, anderen (!) gegenüber (denn sind wir mal ganz ehrlich, selbst in der 1. Klasse der Bahn aus der Geschichte hier hat dieser romantisierte 'Ungehorsam' genau null Effekt auf Milliardäre und Superreiche - für die sind schließlich alle Leute, die Bahn fahren müssen, aus der "Unterklasse", egal ob da jetzt ein gelber Streifen auf dem Waggon ist oder nicht) ebenfalls auf die Regeln zu scheißen, frage ich mich wirklich, was dein Long Game bei der Sache sein soll. Denn für mich läuft das nur wieder darauf hinaus, dass sich das Recht des Stärkeren durchsetzt. Wie das marginalisierten Gruppen zuträglich sein soll, ist mir schleierhaft.
Wir haben schon eine Gesellschaft, in der Du ganz einfach auf Regeln scheißen kannst, wenn Du es Dir leisten kannst. Das sickert halt mehr und mehr nach unten durch. Wenigstens ein Bereich, in dem Trickle Down funktioniert! Hurrah! Dass 4 Jahrzehnte Neoliberalismus mit entsprechender Propaganda in allen Kanälen zu ausuferndem Egoismus führen, sollte ja auch keine Überraschung sein.
Und Respekt ist keine Einbahnstraße. Leute, die von einer Gesellschaft nicht respektiert werden, werden kaum die Gesellschaft und ihre Regeln respektieren.
Das mag Scheiße sein, lässt sich aber nur durch ein grundlegendes politisches Umdenken ändern. Und so Leute wie der arme unrespektierte Herr Palmer sind garantiert nicht die Politiker, die auch nur im Entferntesten daran denken, das zu tun.
Da erntet jetzt jemand, was er und Seinesgleichen gesäht haben. Gesamtgesellschaftlich betrachtet vielleicht unschön, dass es so weit kommt, aber er hat sich das verdient.
So kann man's natürlich auch ausdrücken. Denn denk das mal zu Ende: wo soll das hinführen?
Der geneigte D&D Spieler darf sich die Frage stellen: Was ist recht und was gerecht? Wurden hier im Zug unsere Werte und Normen verteidigt, oder nur ideologiegetrieben auf Paragrafen rumgeritten?
Warum sind die Jugendlichen dahin, war der Rest vom Zug vielleicht voll? Haben die jemandem den Platz weggenommen der ihn nötiger bräuchte und hätten sie sich weggesetzt wenn das Zugpersonal - deren Aufgabe das ist - sie dazu aufgefordert hätte?
Ich glaube Werte und Normen einfordern ist wichtig, nur haben das in dem Fall wahrscheinlich eher die Mitfahrenden getan, und nicht Palmer.
Ja. Gerade der Umstand, dass andere Passagiere in der 1. Klasse die Position der Jugendlichen, und nicht die von Hilfssherriff Palmer ergriffen haben, deutet schon darauf hin, dass es da nicht um Werte und Normen ging*, sondern eher darum, dass der gute Boris sich mal wieder wichtig machen wollte. Aber warum sollte das überraschen? Der ist ja bundesweit als großmäuliger Selbstdarsteller bekannt.
* Es ging schon um Werte und Normen, aber eher in dem Sinn, dass der Hilfssherriff sie mehr verletzt hat, als die Jugendlichen.
Ja, da hast du recht.
Wie gesagt, mir geht es dabei auch weniger um das Sheriff-Gehabe des B. Palmer, sondern um den grundsätzlichen Gedanken dahinter. Und da sehe ich schon die Tendenz, dass das Klima des Miteinanders im öffentlichen Raum verbesserungsfähig ist und zu viel Egoismus und Enthemmung herrscht. In einem anderen Thread hier geht es darum, dass ein Zugbegleiter nach einem Angriff bei einer Ticketkontrolle mit dem Tod ringt. Die Verbesserung fängt mit jedem von uns an.
Das Miteinander findet doch größtenteils nicht mehr statt, es wurde durch ein (bestenfalls) Aneinander Vorbei und ein Gegeneinander ersetzt. Und das systematisch und absichtlich. Ich finde es fast schon poetisch, dass hier einer der politischen Akteure, der selbst auch mit beiden Händen gesellschaftliche Spaltung gesäht hat, jetzt auch mal die Ernte dafür einfährt. ich bedaure es fast, dass er nur zurechtgewiesen wurde. Egoismus wurde schon vor Jahrzehnten zur Tugend erhoben, denn Egoisten lassen sich besser ausbeuten, weil sie sich eben nicht gegen einen geltungssüchtigen Hilfssherriff (oder einen anderen Ausbeuter) solidarisieren, wie die Fahrgäste in der 1. Klasse.
Das mit dem Fahrkartenkontrolleur ist eine schlimme Sache und sehr wahrscheinlich hat das den Falschen getroffen. (Wobei es auch in dem Bereich Leute gibt, die sich an dem bisschen Macht, das sie haben, aufgeilen, und mit Spaß Leute schikanieren. Ich kenne leider eine solche Person, und bei dem willst Du nicht im Zug sitzen, wenn Du die falsche Hautfarbe hast)
Aber einfach nur glauben, man könnte die Gesellschaft verbessern, indem man sich blind und ohne Verstand an alle Regeln hält, ist nicht zielführend. Zumal es Regeln gibt, deren alleiniger Sinn die Aufrechterhaltung oder Förderung einer gesellschaftlichen Spaltung ist.
Da stimme ich zu.
Da nicht. Ich glaube nicht, dass Egoismus uns seit Jahrzehnten "aufgezwungen" wurde (von wem?) und auch nicht, dass man uns dann "besser ausbeuten" kann. Die Entscheidung, sich asozial zu benehmen, fällt jeder ganz für sich - und trägt folglich die Verantwortung. Ob man es nun tut, weil man keine Sanktionierung befürchtet, oder weil der Andere es ja auch macht, ist letztlich vollkommen egal.
Inwiefern lässt sich jemand, der wie die Axt durch den Wald geht und auf seine Mitmenschen keine Rücksicht mehr nimmt, besser ausbeuten, als jemand, der noch an grundlegende Werte wie Solidarität und Gemeinwohl glaubt?
Das sage ich nicht. Ich sage, dass es der Gesellschaft massiv schaden wird, wenn man sich selber einfach nicht mehr an Regeln gebunden sieht. Denn, wie gesagt, denke das mal in seiner Konsequenz zu Ende: wer wird sich in so einer Welt durchsetzen, wer wird da am Ende die Hosen anhaben?
Fast sämtliche Medien predigen seit Jahrzehnten ein Ideal, das grenzenlosen Egoismus zur ultimativen Freiheit verklärt, und die Politik wird nicht müde, wirklich bei jedem Scheiß ständig auch bei Dingen, die ureigene staatliche Aufgaben sind, "Eigenverantwortung" zu predigen, während sie gleichzeitig dafür sorgt, dass die Leute, die sie zur "Eigenverantwortung" auffordert, dazu gar nicht in der Lage sind.
Der Egoist wird nie auf die Idee zu kommen, sich mit Anderen zusammenzutun, um sich gegen Ausbeutung zu wehren, er wird lieber nach unten treten, insbesondere, wenn ihm eingeredet wird, dass es ihm nur schlecht geht, weil ihm jemand, der es noch schlechter hat, Alles wegnimmt. Die neoliberale Rhetorik, die seit Jahrzehnten sozial schwache Bevölkerungsschichten gegeneinander ausspielt, funktioniert ja sehr gut.
Wir leben schon in dieser Gesellschaft. Denn nur die Leute, die sich Regelbrüche mangels Geld oder politischer Vernetzung nicht leisten können, sind noch an Regeln gebunden.
Mal ganz ehrlich: wenn ich vergleiche, welchen Sozialstaat ich im Vergleich zur Generation meiner Eltern genießen kann, dann habe ich da Schwierigkeiten zuzustimmen. Sowohl Pflegeversicherung als auch Kinderbetreuung waren bspw in den 80ern Privatsache. Wenn's da akut wurde, hattest du halt Pech gehabt.
Die Sozialleistungs- und Staatsquoten sind ebenfalls nicht wirklich zurückgegangen, der Staat bewegt hier sogar mehr Geld. Nur, dank demographischem Wandel, fließt heute viel mehr Geld in Renten und Gesundheitssystem. Trotz steigender Abgaben bleibt da immer weniger übrig. Den Knoten kriegst du auch nicht mehr wirklich entheddert, denn die Politik sträubt sich, dieses Problem anzugehen. Da steckt jedoch kein elaborierter Plan im Namen des Neoliberalismus hinter, sondern schlicht deren blanke Angst vor der mächtigen Wählerschicht "Rentner" und stattdessen ein gemütlich-einschläferndes "Weiter-so!"
Wer meint, sich nicht mehr an den Regelkatalog unserer Gesellschaft halten zu müssen, handelt rein egoistisch - eine Sichtweise, die normalerweise links der Mitte verpönt ist. Wie es der Gesellschaft darüber hinaus nutzen soll, wenn sich nun jeder das Recht rausnimmt, auch dem Rest der Gesellschaft diesen "Vertrag" aufzukündigen, hat mir auch noch keiner erklären können. Ein Jens Spahn oder zwei Handvoll steuerhinterziehende Milliardäre sind für mich nicht Anlass genug, selber damit anzufangen, auf die zu scheißen, die noch mitspielen wollen beim gesellschaftlichen Miteinander.
Die alte Gesellschaftsordnung muss erst untergehen bevor eine neue, hoffentlich bessere entstehen kann. Je mehr Menschen (gerade aus der "Unterschicht" und der "Arbeiterklasse") einsehen, dass auch ein Merz oder ein Palmer zum defäkieren die Hose runterziehen um so eher wird die gefühlte Autorität dieser Menschen schwinden.
Ich bewundere deinen Optimismus. In einem Land, in dem sich die AfD ein hauchdünnes Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Union um Platz 1 liefert und gleichzeitig einen Vorsprung zur nächsten demokratischen Partei hat, der der Gesamtzahl der Stimmen für die Linke entspricht, kann ich bei 'Untergang der Gesellschaftsordnung' kaum hoffen, dass etwas besseres kommen wird, sondern eher noch etwas viel schlechteres.